»Ah! le bon billet qu´a la Châtres!«

Manche Dinge sind so einprägsam, dass man sie ein ganzes Leben mit sich herumträgt. Just in diesem Moment kommt mir zum Beispiel eine Recherche in den Sinn, an der ich zu meiner Zeit als studentische Hilfskraft bei der Arbeitsstelle Therese Huber an der Uni Osnabrück gearbeitet habe. Es handelte sich um den Ursprung des französischen Zitats »Ah! le bon billet qu´a la Châtres!«, was soviel bedeutet wie “Ach, die gute Mitteilung, die la Châtres hat!”. Die Anekdote ist schnell erklärt: Anne »Ninon« de Lenclos, eine französische Lebedame des 17. Jahrhunderts, war zeitweise mit einem Marquis de la Châtre liiert. Der offenherzige Ruf der Geliebten veranlasste den Marquis, von ihr vor einer seiner Reisen ein schriftliches Treuebekenntnis einzufordern. An diese erinnerte sich die Dame, als sie in die Arme des nächsten Liebhabers sank und kommentierte es mit oben erwähntem Ausspruch. Nicht jedes Treueversprechen ist so wertlos, wie jenes des Marquis de la Châtres. Werder Bremen zum Beispiel wird mit vielen Millionen Euro dafür entschädigt, dass Davie Selke sich bereits im Sommer in Richtung Leipzig veabschiedet und nicht, wie vor nicht allzu langer Zeit vereinbart, erst im Sommer 2018. Nur lässt sich Treue nicht vertraglich regeln. Nicht in Bremen, nicht in Hamburg, wo man sich an Hakan Calhanoglu erinnern mag und auch nicht im Frankreich des 17. Jahrhunderts. »Pacta sunt servanda«: Verträge sind einzuhalten. So lautet ein weiteres geläufiges Prinzip. Manchmal sind Verträge aber auch einfach nur auszulösen.

Nachzulesen ist der Fall übrigens in: Therese Huber. Briefe. Band 5: 1812 – Juni 1815. Bearbeitet von Petra Wulbusch, Magdalene Heuser und Andrea Kiszio. Tübingen 2005.

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