Das Nordderby der kurzen Wege

115 Kilometer liegen zwischen Weserstadion und Imtech-Arena, in der am Samstag das 99. Nordderby der Bundesligageschichte angepfiffen wird. Keine Bundesligapartie gab es häufiger. Noch näher als auf der Landkarte liegen Werder Bremen und der Hamburger SV als 14. und 15. der Bundesligatabelle nach fünf Spieltagen der Saison 2013/14 zusammen und ebenso nah liegt die Abstiegszone hinter den beiden Erzrivalen. Die Saison ist noch jung, aber die Spiele des letzten Wochenendes unterstreichen die Platzierungen. Das anstehende Derby verspricht, kein Highlight zu werden.

Natürlich gab es auch vereinzelte positive Aspekte, die sich aus den Spielen herauspicken lassen. So hielt der HSV bei der 2:6-Niederlage gegen Borussia Dortmund das Ergebnis trotz deutlicher optischer Unterlegenheit zumindest lange offen. Dabei gelang es den Rothosen sogar, den frühen 0:2-Rückstand vorübergehend noch einmal auszugleichen. Dabei gelang Zhi-Gin Lam sein erster Bundesligatreffer und dieser war auch noch sehenswert. Die Chancenverwertung blieb am Ende aber auch der einzige statistische Wert, der zugunsten des HSV ausfiel. Und streng genommen galt dies auch nur bis zur Hälfte der zweiten Halbzeit, denn in der Schlussphase marschierte der BVB nicht nur wie zuvor munter durch die Abwehr des Bundesligadinos, sondern kam auch zu Treffern. Für Trainer Thorsten Fink war der Abpfiff des Spiels zugleich auch der Schlussstrich unter seine Tätigkeit im Verein. Er wurde vom Verein freigestellt. U23-Coach Rodolfo Cardoso übernimmt vorerst.

Werder Bremen unterlag im Weserstadion Eintracht Frankfurt mit 0:3 und war dabei auch vor dem frühen Platzverweis für di Santo (3 Spiele Sperre) statistisch in beinahe jeder Hinsicht unterlegen. Dennoch ergaben sich durch di Santo, Elia und vor allem eine Foulelfmeter von Aaron Hunt gute Torgelegenheiten, die Offensivkräfte scheiterten aber unglücklich bis kläglich. Lediglich Sebastian Prödl brachte das Leder im Tor unter, allerdings im eigenen. Die Schlusspointe im fragwürdigen Kunstwerk der Grün-Weißen, in welchem man den Katalog möglicher Fußballpatzer konsequent abarbeitete. Di Santos selbstverschuldeter Ausfall sezt Robin Dutt nun kurzfristig unter Druck. Der Argentinier kam in der abgelaufenen Transferperiode als einziger Neuzugang für die bislang mit drei Treffern (davon ein Eigentor) harmlose Bremer Offensive. Im Gegenzug verließen mit Arnautovic, Akpala, Füllkrug und Avdic gleich vier Angreifer den Verein. Es verbleiben Nils Petersen und Eljero Elia, die sich beide in einem langanhaltenden Formtief befinden. Petersen traf zuletzt im Februar gegen den SC Freiburg, Elia für Werder in der Bundesliga noch gar nicht. Eine Chance für den Nachwuchs? Florian Grillitsch, Martin Kobylanski und Levent Aycicek stehen bereit. Alle drei Spieler verbuchen noch keinen Bundesligaeinsatz für sich, wissen aber zumindest in Regionalliga und A-Jugend-Bundesliga wo das Tor steht. Auch der Weg in die Bundesliga ist im Norden kurz geworden. Zuletzt schafften Felix Kroos und Özkan Yildirim an der Weser und Zhi-Gin Lam an der Elbe den Sprung. Kleine Lichtblicke dort, wo die etablierten Kräfte derzeit wenig Optimismus versprühen lassen.

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