Der Dino lebt – möglicherweise

“Totgesagte leben länger”, eine reichlich strapazierte Redewendung. Seit dem letzten Abpfiff der Bundesligasaison 2013/14 am Samstag kam sie auch häufiger im Zusammenhang mit dem Hamburger SV zum Vorschein. Der Dino, das letzte Gründungsmitglied der Liga, das niemals absteigen musste hatte sich am Ende doch noch einmal in die Relegation gerettet. Fünf Niederlagen in den letzten fünf Partien, bei nur einem Punkt Vorsprung auf Nürnberg und zwei Zählern auf Schlusslicht Eintracht Braunschweig nach dem 29. Spieltag haben daran nichts zu ändern vermocht. Schwein gehabt! Aber ist der Verein nun wirklich ein Totgesagter, der wider Erwarten noch ein paar schöne Jahre vor sich hat, oder ist die Beerdigung des HSV nur um acht Tage aufgeschoben, weil sich zwei andere Todesfälle vorgedrängelt haben?

Zwei Spiele entscheiden, zumindest über das kurzfristige Schicksal der Rothosen. Am Donnerstag ist die SpVgg Greuther Fürth in Hamburg zu Gast, Sonntag reist der Nordclub ins Frankenland. Die Regeln gleichen dem Europapokal, der ansonsten so weit entfernt ist, wie nie zuvor. Das soll heißen: Enden beide Partien in der Addition Unentschieden, entscheiden die erzielten Auswärtstreffer über Auf- oder Abstieg. Der HSV ist sofort gefordert. Ein Spiel ohne Gegentor würde helfen. Dies gelang zuletzt aber zwölf Mal in Folge nicht. Am 22. Februar war René Adler letztmals nicht gezwungen, den Ball aus dem eigenen Tor zu fischen – beim 3:0 gegen Borussia Dortmund, dem ersten Spiel von Coach Mirko Slomka auf der Bank. Damals waren Strohhalm-Witze aktuell (słoma auf Polnisch). Das alles scheint eine Ewigkeit her zu sein.

Natürlich gibt es auch Dinge, die Hoffnung machen. Das sportliche Niveau der 2. Bundesliga war nicht überragend. Hinter der jungen Mannschaft des 1. FC Köln lief mit dem SC Paderborn ein krasser Außenseiter auf Platz 2 ins Ziel ein. Gleich dahinter die SpVgg Greuther Fürth, die im Vorjahr sang- und klanglos mit nur 21 Zählern aus der Bundesliga absteigen musste. Mit diesem Resultat hätten die Franken nicht einmal im Schneckenrennen dieser Spielzeit etwas zu melden gehabt. In ihrem gesamten Bundesligajahr gelang der Spielvereinigung nicht ein einziger Auswärtssieg. Haha. Apropos HH: Hier trainiert, wie bereits erwähnt Mirko Slomka. Dessen Teams gelang unter seiner Führung in dieser Spielzeit auswärts nicht einmal ein Punktgewinn. Aus einer vermeintlichen Schwäche des Gegners lässt sich hier wohl nichts konstruieren. Am Ende ist es aber auch egal, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, denn nun sind die Spieler des Hamburger SV gefordert. Sie müssen es mit Leistung füllen, so wie im Spiel gegen Dortmund. Oder am 24. September 2013. An diesem Tag war Fürth schon einmal in der Imtech Arena zu Gast. Der HSV siegte mit 1:0 und zog ins Achtelfinale des DFB Pokals ein. Eine Wiederholung ist ausdrücklich erwünscht. Noch stehen mit Calhanoglu und Lasogga Typen zur Verfügung, deren Qualität ein Spiel zugunsten der Rothosen entscheiden kann. Denn, man möchte fast sagen natürlich, war der Pokaltreffer eine Koproduktion der beiden Youngster. Auf externe Hilfe darf man nicht mehr hoffen. Die Zeit der Schützenhilfe ist nun vorbei. Ein Vorsprung rettet das Team nun nicht mehr. Wenn in der Relegation verloren wird, hat der Gegner gewonnen. Einmal ließe sich das korrigieren – unter Umständen. Ganz eventuell, aber wer will sich darauf verlassen? Sieben Tage nach dem Relegationsrückspiel steht dann die nächste Entscheidung an. HSVPlus – ja oder nein? Sollte der Trend, so wie erwartet wird, in Richtung einer Ausgliederung der Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft gehen, muss man möglichen “strategischen Partnern” aber auch etwas anzubieten haben. Bevorzugt Bundesligafußball!

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