Werder Bremen hat Mesut Özil an Real Madrid verloren, aber das erste Pflichtspiel in Abwesenheit seines ehemaligen Spielmachers gewonnen. Die Norddeutschen setzten sich gestern Abend souverän im Hinspiel der Playoffrunde zur Champions League 2010/11 mit 3:1 (0:0) gegen den italienischen Vertreter Sampdoria Genua durch und zeigte dabei streckenweise tollen Fußball. Über die gesamte Spielzeit kontrollierten die Grün-Weissen die Begegnung und zeigten ein deutliches Plus an Ballbesitz, auch wenn die rund 25.000 Zuschauer im noch nicht fertiggestellten Weserstadion bis in die zweite Halbzeit auf den ersten Treffer der Partie warten mussten. Clemens Fritz, bis zur Europameisterschaft 2008 noch Nationalspieler, danach jedoch oft gescholten, nahm sich nach einer zu kurzen Abwehr Tissones ein Herz und überwand den gegnerischen Keeper mit einem satten Distanzschuss. Es war die Krönung einer starken Partie des Rechtsverteidigers, der zudem noch das 3:0 durch Claudio Pizarro einleitete. Fritz spielte den Peruaner frei, der nach einem sehenswerten Doppelpass mit Hugo Almeida auch des Rest der italienischen Defensive überwand und traf. Zwischenzeitlich markierte Kapitän Torsten Frings per Foulelfmeter das 2:0.
Ein 3:0 wäre wohl bereits deutlich mehr als die halbe Miete zum Einzug in die Gruppenphase gewesen. Einen kleinen Makel bekam das Ergebnis aber noch. Kurz vor dem Abpfiff verwertete Pazzini eine Flanke des eingewechselten Stankevicius zum 1:3 aus Sicht Sampdoria und verbesserte die Chancen seines Teams somit wieder ein wenig. Trotzdem: Werder dürfte sich im Rückspiel am nächsten Dienstag nicht nur im Gesamtresultat durchsetzen, man sollte auch die zweite Partie für sich entscheiden. Bei allem Ärger über die kleinen Schönheitsflecken – nach dem 1:0 gönnte die Defensive dem Torschützen Pazzini auch noch einen gefährlichen Pfostenschuss – war doch deutlich auch die Schönheit hinter den Flecken zu erkennen. Werder hat auch ohne Mesut Özil und den Brasilianer Wesley, dessen möglicher Transfer an die Weser bis dato immer noch nicht in Trockenen Tüchern ist, die Qualität, in der Champions League zu bestehen. Und zumindest auf einer Außenseite in der Defensive scheint man stärker besetzt als angenommen. Clemens Fritz ist nach der Seuchensaison 2008/09 und dem Aufbaujahr in der Vorsaison wieder auf dem Weg zurück zu der Klasse, die ihn in die Nationalmannschaft gebracht hat. Und auch Aaron Hunt, das Eigengewächs, das drohte in den Schatten der noch jüngeren Talente Mesut Özil und Marko Marin zu verschwinden hat gezeigt, dass er in der Lage ist, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Ach ja, Marko Marin. Der Zauberzwerg wurde wie bereits in der DFB-Pokalbegegnung in Ahlen nur eingewechselt, stünde aber bereit, sollten sich in der Startformation Formschwankungen einstellen. Werder scheint für die neue Saison gerüstet und muss dies am Samstag bei 1899 Hoffenheim und am Dienstag in Genua erneut unter Beweis stellen. Es bliebe aber auch noch bis zum 31. August Zeit um nachzurüsten. Und ein paar Euro dürfte die Vereinskasse nun auch hergeben.


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